Geschichte

Maitour 2004 -

 „Kein Sonnenschein in Dreieichenhain!“

 

Na, ja - irgendwann musste es uns ja mal wieder treffen! Was wir damit meinen? Die Witterung natürlich, denn nach über 10 Jahren überwiegend freundlichem Ausflugswetter ereilte uns am 1. Mai vergangenen Jahres der absolute Super-GAU (Größtes anzunehmende Unwetter). Es regnete wie aus Strömen und die Temperaturen, die am Vortage noch 26 Grad erreichten, waren rapide in den Keller gefallen, so dass es, ganz im Gegensatz zu den Schlechtwetterjahren 1991–1993, überhaupt keine Diskussion darüber gab, dass wir nicht fahren können. Gut, gefahren sind wir dann doch - allerdings mit der Bimmelbahn, doch hierzu kommen wir später.

Wir trafen uns also mehr oder weniger gut beschirmt um 10.00 Uhr bei Rainer, um unter dem schützenden Dach der Scheune das Fass anzustechen und das weitere Vorgehen zu beraten. Schnell waren wir uns einig, dass wir unser Ziel unter Inanspruchnahme der Dreieichbahn ansteuern werden, ist dieses doch verkehrsgünstig an deren Streckenverlauf gelegen. Aufwendige Recherchen unseres Internet-Scouts Racer ergaben, dass um 12.05 Uhr ein Zug auf dem Weg Richtung Dreieichenhain am Bahnhof Münster anlegen wird. Somit hatten wir - das waren genau 13 Stammtischbrüder - noch etwas länger Gelegenheit, uns am frisch gezapften Bier zu laben und den vorangegangenen Abend, als einige Kameraden beim „Rock in den Mai“ der SG Promillestaffel zugange waren, Revue passieren zu lassen.

Apropos „13 Stammtischbrüder“! Gegenüber dem Vorjahr fanden sich zwar zwei Faßbierfreunde mehr zur Maitour ein, ausbaufähig ist diese Zahl aber dennoch. Und weil die Anwesenden überwiegend diejenigen waren, die sowieso immer da sind, wollen wir diesen die Ehre erweisen und sie hier einmal namentlich auflisten:

Andreas Bonifer
Michael Bonifer
Michael Frühwein
Bernd Kurth
Michael Löbig
Thomas Löbig
Claus Meergans
Andreas Müller
Andreas Peter
Jochen Richter
Stefan Ries
Rainer Roßkopf
Alex Schledt

Als der Abfahrtzeitpunkt unseres Schienengefährtes nahte, machten wir uns auf die Socken - bzw. auf die Reifen, denn unsere beiden motorisierten Freunde Thomas Löbig und Michael Frühwein boten uns ihre Fahrdienste an.

Diejenigen, die sich für die Mitfahrt mit Letztgenanntem entschlossen hatten, kamen in den Genuss einer „Neumondnachtfahrt durchs Ungewisse“, denn der Transfer zum Bahnhof erfolgte im fensterlosen Laderaum des metzgereieigenen Warentransporters. Michel, dessen gerade in jungen Jahren rasanten Fahrstils sich die im Innern des Wagens gefangenen Passagiere urplötzlich erinnerten, besann sich dieser alten „Tugenden“, schaltete die Kühlung ein, damit keiner vor Angst schwitzen musste und bretterte los.

Anfängliche Versuche, die Fahrtstrecke aufgrund des Abbiegeverhaltens verfolgen zu können, scheiterten schon bald. Als Michel dann noch an der Sparkasse anhielt, um einen neben ihm in der Fahrerkabine sitzenden Kameraden zum Geldautomatenbesuch aussteigen zu lassen, verwirrte er die ihm hilflos ausgelieferten Insassen vollends, indem er den ungewöhnlicherweise völlig leeren Parkplatz des dortigen Kreditinstitutes sowie die angrenzende Leibnizstraße für permanentes Runden-Fahren in Anspruch nahm. Nach Ankunft am Bahnhofsplatz konnte er seine aus dem Dunkel des Laderaum torkelnden, ahnungslosen Opfer dann höhnisch grinsend über den genauen Streckenverlauf aufklären, der Drecksack!

„Gut, dass der Zug nicht im Kreis fahren kann!“, dachte sich dann so mancher, als er immer noch etwas benommen in das Schienengefährt einstieg, das uns dann sicher nach Dreieichenhain beförderte. Dort angekommen bewältigten wir noch einen kurzen Fußmarsch durch den fachwerkgeschmückten Ortskern, ehe wir gegen 12.45 Uhr unser Ziellokal, den nahe der Dreieichenhainer Burg gelegenen „Faselstall“, erreichten. In dieser rustikalen Gaststätte waren wir zunächst die einzigen Gäste, doch diese trügerische Ruhe verhieß für uns nichts Gutes, da man uns erklärte, dass ab 14.00 Uhr das gesamte Lokal reserviert ist und wir bis dahin das Feld auch schon wieder räumen müssten. Der Grund für diesen räumlichen Engpass war natürlich das schlechte Wetter, das einen Betrieb des dortigen Biergartens, in welchem wir uns eigentlich niederlassen wollten, unmöglich machte.

Folglich mussten wir im Schweinsgalopp bestellen, essen, trinken, zahlen, was der Gemütlich- und Geselligkeit nicht gerade zuträglich war. Dennoch ließen wir uns ein Paar Bierchen, in der Mehrzahl gegrillte Schweinshaxen sowie eine Runde Schnaps aufs Haus munden. Seltsam war nur, dass beim Verlassen des Faselstalles kurz nach 14.00 Uhr in diesem immer noch gähnende Leere herrschte und die angekündigte Gesellschaft weit und breit nicht zu sehen war.

Na ja, wir machten uns darüber keine weiteren Gedanken und beschlossen, uns an der nahegelegenen Burg ein wenig die Füße zu vertreten. Aufgrund der nicht gerade ausufernden Ausmaße dieses mittelalterlichen Bauwerkes hatten wir kurze Zeit später bereits fast alles inspiziert. Als wir uns aber der hinter der Burg befindlichen Freilichtbühne näherten, vernahmen unsere Ohren sich verstärkende Geräuschemissionen, die auf einen laufenden Festbetrieb hindeuteten. Diese Vermutung bestätigte sich, den an jenem Ort erblickten wir einen Zapfwagen sowie Steh- und Sitzbiertische, an denen sich Dreieichenhainer Kerbborsche verschiedener Jahrgänge tummelten. Die meisten dieser lokalen Brauchtumspfleger waren sehr jung - zumindest aus unserer Sicht - und als wir auf einigen der obligatorischen Kerbborsche-Sweat-Shirts die Jahrgangszahl „1986/1987“ erblickten, kam so manchem das Grußwort der Maitourbroschüre des Vorjahres (Stichwort: „Endlich 18!“) in den Sinn, denn diese Purschen waren damals anno 1987, als wir unsere erste Maitour starteten gerade so (wenn überhaupt!) aus dem Ei geschlüpft - mein Gott, werden wir alt!

Andreas Peter beschloss spontan, zur finanziellen Unterstützung der dortigen Feierkultur beizutragen und orderte 13 Bier. Als er mit diesen vom Zapfwagen zurückkam, konnte man dem ihm ureigenen sanften Grinsen in seinem Antlitz entnehmen, dass er irgendeinen vorteilhaften Deal gemacht haben musste. Es war der gleiche Gesichtsausdruck wie damals, nachdem er am Darmstädter Hauptbahnhof irgendeinem durstigen Hallodri, der ihm 5 DM hierfür bot, eine bereits angetrunkene Tuborg-Bierdose verkauft hatte. Andreas teilte uns mit, dass er gerade 16,50 € für die 13 Bier bezahlt hatte, wobei eines hiervon normalerweise 2,30 € kosten würde. Wir betrachteten dies als eine großzügige Mengenrabattgewährung und ließen uns den Gerstentrunk inmitten wahrer Heerscharen einheimischer Kerbborschen schmecken.

Wir machten uns danach auf den Rückmarsch zum Bahnhof, um den Zug Richtung Münster zu besteigen. Da es gerade mal 15.30 Uhr war, beschlossen wir, unterwegs noch einmal eine Zwischenstation einzulegen. Unsere Wahl fiel dabei auf Urberach, wo wir in der dortigen Bahnhofsgaststätte einzukehren gedachten. Doch passend zur bescheidenen Gesamtsituation des Tages war diese geschlossen - genauso wie zwei weitere Kneipen, zu denen wir in der Folgezeit Einlass begehrten.

Zu guter Letzt fanden wir in der „Orwischer Stubb“ Unterschlupf, in welchem einige Fußball-Junkies die Premiere- Bundesliga-Übertragung verfolgten. Also nahmen wir unsererseits Platz, tranken ein Bier und verfolgten mehr oder weniger interessiert das Geschehen auf der Mattscheibe. Der einzige Lichtblick dieses trüben Spieltages war, dass die Frankfurter Eintracht gerade am verlieren war und somit dem wohlverdienten Abstieg in die 2. Liga zielstrebig entgegentaumelte (was ihr dann letztendlich auch gelang!).

Nach diesem Zwischenstopp in Rödermark setzten wir dann unsere Heimfahrt fort und kamen um ca. 17.00 Uhr am Münsterer Hauptbahnhof an. Die räumliche Nähe zur Mainzer Straße nutzend kehrten wir auf ein Schnäpschen bei unserem Mitglied Alexander Schneider ein. Danach kehrten wir zu unserem Treffpunkt bei Rainer Roßkopf zurück, drückten uns dort noch ein bisschen im Hof herum und begaben uns zwecks Abendessenseinnahme in den Landgasthof „Zum Christoph“.

Nach opulentem Mahl - wir hatten ja Mittags fast nichts gegessen :-) – begaben wir uns dann wiederum zurück zu Rainer, um die obligatorische Quizauflösung sowie den Gewinner zu verkünden. Da Thomas Löbig, Claus Meergans und Bernd Kurth gleichauf an der Spitze lagen, musste ein Stechen über den Sieger entscheiden. Hierbei setzte sich letztendlich der Erstgenannte durch, der bei der Schätzung des Gewichtes seines „kleinen“ Bruders dem tatsächlichen Wert am nächsten lag (wenn da mal keine Schiebung im Spiel war!!!).

Auch der Letztplatzierte - im konkreten Fall Jochen Richter - wurde wieder mit einem „Preis“ bedacht. Ihm wurde die besondere Ehre zuteil, sich auf Andreas Peters bevorstehender Junggesellenabschiedstour im Juli um dessen körperliche Unversehrtheit zu kümmern und ihn hierbei auch mit einem Freigetränk zu beschenken. Als wir dies alles hinter uns gebracht hatten, war es bereits 23.00 Uhr. Bei den meisten machte sich dann eine gewisse Müdigkeit bemerkbar und im Nu hatte sich die Versammlung aufgelöst.

 

Vom Maerchenonkel gelesen!

 

  

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