Holz

 

„Der Stammtisch ist tot! Hoch lebe der neue Stammtisch!“

 

„Was ist denn das nun wieder für eine idiotische Überschrift!“, mag sich so mancher beim Lesen dieser Zeilen fragen. Diese im o.a. Fall etwas abgewandelte Redewendung wurde in früheren Zeiten doch nur verwendet, wenn sich ein König in die ewigen Jagdgründe verabschiedet hatte und irgendein Spross aus seiner Nachkommenschaft dazu bestimmt worden war, fortan die Untertanen zu knechten. Dennoch hat das obige Statement durchaus seine Berechtigung, erfolgten im vergangenen Herbst in der DJK-Gaststätte doch gewaltige Veränderungen, die sich auch in großem Umfang auf unseren Stammtisch ausgewirkt haben.

Die von vielen liebevoll auch „Holzkiste“ genannte Vereinskneipe wurde von Grund auf saniert und am Ende war nicht nur der Bezeichnung „Holzkiste“ aufgrund der vollständigen Entfernung der Holzvertäfelung die Benennungsgrundlage entzogen worden. Nein, auch unser altehrwürdiger Stammtisch-Tisch wurde außer Dienst gestellt, um einem jüngeren, dynamischen Modell, das zudem auch an anderer Stätte im Lokal positioniert wurde, zu weichen.

Als wir im Spätsommer des vergangenen Jahres erstmals mit den bevorstehenden Baumaßnahmen konfrontiert wurden, war das Wehgeschrei und Gejammer in unseren Reihen riesengroß. Die wenigen Wochen bis zu unserem allerletzten Stammtisch an unserem treuen Wegbegleiter (o.k., ehrlich gesagt, hat er uns nie auf irgendwelchen Wegen begleitet, da er ja ein Tisch war und in Folge dessen eine eher statische Ausrichtung hatte) vergingen dann auch wie im Fluge und am 27. September des Jahres 2004 nach Christi Geburt saßen wir letztmals an seiner robusten Platte, die im Laufe der Jahre so manchen Befeuchtungen, Schlägen und Stößen ausgesetzt war, die in einem Falle im Spätherbst bzw. Frühwinter 2002 sogar zu einer komplizierten Fraktur führten. Reihum konnte man bei den kraftlos Umhersitzenden betretende Mienen erblicken, große Mengen Alkohol auf der Oberfläche des Betrauerten ließen darauf schließen, dass der Kummer in eben jenem ertränkt werden sollte und die wirren Gedanken der Anwesenden schienen wehmütig so mancher Anekdote nachzuhängen, die sich im Laufe der Jahre an diesem Platze zugetragen hatte. Apropos „Jahre“: Wie viele Jahre waren es denn nun genau, die wir an eben jenem Tische zur kollektiven Steigerung der Lebensfreude zubrachten? Nun denn, schmeißen wir Euch also hierzu einige nichtssagende Zahlen um die Ohren.

Seit unserem allerersten Stammtisch am 08.01.1990 bis zum bereits beschriebenen letztmaligen Treffen Ende September des Vorjahres sind genau 14 Jahre und 9 Monate vergangen. Das sind genau 5.376 Tage, bzw. 129.024 Stunden oder 7.741.440 Minuten - die Angabe in Sekunden verkneifen wir uns lieber! Man könnte aber auch sagen: Es waren 177 Monate bzw. 765 Wochen! Diese Zahlen haben jedoch wenig Aussagekraft und langweilen einen Faßbierfreund - ganz im Gegensatz zu den folgenden Werten:

Wenn man davon ausgeht, dass das im Jahr (= 52 Wochen) mehrere Montage als Stammtischtermin wegfallen (z.B. wegen Ostern, Pfingsten, Rosenmontag, Kerbmontag, Hallenschließung im Sommer, sonstige Feiertage), verbleiben im Jahr ca. 42 Stammtischtermine. Hochgerechnet auf die Gesamtnutzungsdauer sind das etwa 620 Montage, an denen wir uns getroffen haben. Ein guter Stammtischbesucher (gehen wir mal von einer Anwesenheitsquote von 90% aus), der am Abend zwei Pils konsumiert hat, hätte insgesamt ca. 1.100 Gläser bzw. - wie noch vor ein paar Jahren - Fläschchen mit einer Gesamtlitermenge von rund 350 Litern geleert. Das ist schon was, oder!? Weitere Berechnungen darüber, wie viele kalte Rindswürste Alexander Piechaczek gegessen hat, wie oft „Weizengott“ Jochen Richter sich ein Weißbier eingegossen hat oder wie viele Soleier Michael Bonifer verschluckt hat, ersparen wir uns jetzt - das kann jeder selber hochrechnen.

Also Schluss jetzt mit den Zahlen! Sonst kommt noch jemand daher, rechnet nach und beweist uns, dass die Werte nicht stimmen (ja, ja, so Leute gibt’s!).

Auf jeden Fall werden wir unserem alten Tisch ein ehrendes Andenken bewahren und wollen dem Nachfolgemodell nun das gleiche Vertrauen schenken, dass auch seinem Vorgänger galt. Preisen wir also nun im folgenden die Vorzüge unseres neuen Biergläser-Trägermediums:

Da wäre zunächst einmal die ovale Tischform. Diese gewährleistet, dass die an den Längsseiten sitzenden Kameraden ihren Gegenübern etwas näher sind und dadurch Brillenträger, die ihre Sehhilfe vergessen haben, nun viel besser erkennen können, wer da eigentlich auf der anderen Seite sitzt. Außerdem ist die Platzierung des Tisches direkt neben der Tür ein entscheidender Standortvorteil, wird dadurch doch die Wegstrecke zur Toilette um mehr als die Hälfte verkürzt! Die eingesparte Zeit können wir nämlich zum zusätzlichen Bierkonsum nutzen, was den Umsatz in der Gaststätte gewaltig ankurbelt - wahrlich ein cleverer Schachzug der mit dem Umbau betrauten Planer! Und wenn dann zu vorgerückter Stunde ein Stammtischler ob dieses verstärkten Biergenusses von der Müdigkeit übermannt wird, muss er nicht mehr mit seiner fettigen Stirn die Tischplatte polieren. Nein, er kann sich am personell nun etwas ausgedünnten Stammtisch in eine wagerechte Schlafposition begeben, da die Wandseite des Stammtisches von einer gemütlichen Eckbank umsäumt wird. Es besteht nun auch die Möglichkeit, bei starkem Besucherandrang, wie z.B. beim Weihnachtsstammtisch, den Nachbartisch anzudocken, damit auch alle in der Runde Platz haben - dies war in der Vergangenheit nicht möglich, sonst hätten wir die Tür zur Kegelbahn blockiert!

Ansonsten wäre noch zu erwähnen, das durch die neue Übertragungstechnik in der Gaststätte nun auch stammtischkompatiblen Sendern, wie z.B. „Rock Antenne“, gelauscht werden kann, womit wir unserem Verfassungsauftrag - siehe Stammtischsatzung - gerecht werden.

Nun gut! So wollen wir mal hoffen, dass uns die neuen Stammtischmöbel genau so ans Herz wachsen, wie dies beim Vorgänger der Fall war und wünschen Euch weiterhin viel Spaß am neuen Stammtisch-Tisch!

 

Vom Maerchenonkel gelesen!

 

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